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Und endlich die Bildhauer Zürn

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Seit einem halben Jahr, wenn nicht schon länger, finde und finde (und finde) ich Holzbildwerke und -hauer in Oberschwaben oder, sagen wir, in der Region nördlich und östlich des Bodensees. Es fing, glaube ich, an mit dem Pfullendorfer Konrad Hegenauer (zweite Hälfte 18. Jahrhundert) und dessen Vater Felizian. Durch Hegenauer kam ich auf den Tübinger Kunsthistoriker Klaus Schwager, der nicht nur ein Buch über die Werkstätten der Hegenauers (es gab noch mehr Schnitzer in der Familie) veröffentlicht hat, sondern auch eines (schmalrückig, aber gehaltvoll)  über Johann Ruez, Johann Georg Reusch, Franz Anton Kälin und Jakob Ruez (alle 18. Jahrhundert). Hinzu kamen der großartige Anton Sturm in Füssen (auch er ein Zeitgenosse von Konrad Hegenauer) und zuletzt der Konstanzer Bildhauer Christoph Daniel Schenck (ziemlich genau hundert Jahre vor Hegenauer geboren) und mit ihm die ganze Sippe der Schenck-Bildhauer.
Ein ums andere Mal begegnete mir bei meinen virtuellen Streifzügen durch Kirchen,…

Christoph Daniel und andere Mitglieder der Bildhauerfamilie Schenck

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Schon sein Vater Hans Christoph und sein Großonkel Hans "versorgten", wie Brigitte Lohse in Lohse 1960 schreibt, "die Kirchen in und um Konstanz bis hinauf nach St. Gallen mit Altarfiguren". Am 26.8.1633 wurde Christoph Daniel Schenck von seinem Vater in St. Johann zu Konstanz zur Taufe angemeldet. Die Schencks waren aus Mindelheim an den Bodensee gezogen, Mindelheim liegt zwischen Memmingen und Landsberg am Lech, gut 130 Kilometer von Konstanz entfernt. "Für Christoph Daniel ist seine Geburtsstadt immer der Mittelpunkt seines zwischen Einsiedeln und Zwiefalten abgrenzbaren Schaffensgebietes geblieben." (Lohse 1960, S. 7)
Für Brigitte Lohse ist Christoph Daniel Schencks eigentliches Betätigungsfeld das der Kleinplastik, wozu auch Elfenbein-Miniaturen, beispielsweise die "Verspottung Christi", ein Relief von 1685 im Format 9,2 x 5,5 cm, oder ein 11 cm hoher Hl. Sebastian zu zählen sind. Andere sahen in ihm anscheinend primär einen Schöpfer relig…

Der Schnitzer auf Schloss Tullau: Leonhard Kern

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Diese beiden Figuren aus Buchsbaum befinden sich heute im Besitz des Berliner Bode-Museums. Sie mögen ursprünglich irgendeinem Fürsten gehört haben, denn die Arbeiten von Leonhard Kern (1588-1662) waren im 17. Jahrhundert in adeligen Kreisen beliebte Sammlerstücke. Kern, einer der erfolgreichsten deutschen Bildhauer seiner Zeit, war kein ausgesprochener Holzbildhauer, doch werden die vielen kleinformatigen Holz-Statuetten, die er nach seiner Niederlassung in Schwäbisch Hall 1620 anfertigte, ihren nicht geringen Teil zur Vermögensbildung beigetragen haben. Kerns Kleinodien in Holz und Elfenbein waren so beliebt, dass der Bildhauer sich 1642 den Erwerb von Schloss Tullau bei Schwäbisch Hall leisten konnte. Er lebte und schnitzte dort zwischen 1651 und 1661.


Der Holzbildhauer Wolfgang Kleiser in Hammereisenbach

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Den hier schon einmal erwähnten südbadischen Holzbildhauer Wolfgang Kleiser (geboren 1936 in Urach) sieht man unten bei den von ihm geschaffenen Stelen auf einem Gräberfeld des Friedhofs seines Wohnorts Hammereisenbach in der Nähe von Villingen-Schwenningen. Im Online-Archiv des Geschichts- und Heimatvereins Villingen fand ich diesen recht ausführlichen und großzügig bebilderten Beitrag über Kleiser und seine Arbeit, verfasst von Hermann Colli. Unter den Bildhauern, die in der zweiten Hälfte des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts in Süddeutschland tätig waren bzw. sind, ist der in Urach geborene Wolfgang Kleiser gewiss einer der wenige, die nicht so bald in Vergessenheit geraten werden.

Eine Buch- oder Heftempfehlung zu Anton Sturm

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Über den bedeutenden Bildhauer Anton Sturm (1690-1757), auf den ich mich in meinem verträumten, kaum frequentierten Winkel am Rande des digitalen Universums schon mehrfach bezogen habe (unten "Anton Sturm" anklicken), gibt es nur wenig Literatur. Um so dankbarer ist man als Sturm-Fan, zu dem ich mittlerweile geworden bin, für eine Publikation wie den von der Stadt Füssen herausgegebenen Katalog (Norbert Jocher, einer der Katalog-Autoren, nennt ihn ein "schüchterne[s] Begleitheft") zu einer Ausstellung, die 1990 unter dem Titel "Anton Sturm 1690-1757 - Bildhauer und Bürger in Füssen" im Museum der Stadt Füssen stattfand. Anlass war der dreihundertste Geburtstag des gebürtigen Tirolers. Zum Preis von 6,00 EUR (inklusive Versand) kann man das 85 Seiten umfassende Heft mit Schwarz-Weiß-Abbildungen und ins Detail gehenden informativen Texten (nicht zuletzt zu Sturms Leben) beim Kulturbüro der Stadt Füssen online bestellen.
Der bereits erwähnte Norbert Jocher …

Hans Thoma erfand Dekorationsmotive, Oskar Schill schnitt sie ins Holz

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Eine Zeile im Karlsruher Adressbuch von 1891 besagt, dass in der Waldstraße 7 der Bildhauer Oskar Schill wohnte. Es wird wohl derselbe Oskar Schill gewesen sein, der nach Entwürfen das Malers Hans Thoma (1839-1924) insgesamt 31 Bild-Relief-Tafeln, soweit ich sehen kann aus Eichenholz, geschnitzt hat. Diese wunderbar gearbeiteten, relativ kleinformatigen Reliefs waren Teil des ikonographischen Begleitprogramms zu Hans Thomas Gemälde-Zyklus zum Leben Jesu Christi. An den allegorischen Motiven der Reliefs arbeitete Thoma ab dem Frühjahr 1909. Die Zeit drängte, denn im Oktober desselben Jahres sollte das Thoma-Museum in der Karlsruher Kunsthalle, für das die Bilder bestimmt waren, eröffnet werden. Wenn es schon für die Entwürfe kurz vor knapp war, so war die Zeit für deren Umsetzung in Holz noch knapper bemessen. In einem Brief an den Maler und Schriftsteller Momme Nissen vom 26.3.1909 schreibt Hans Thoma: "Einheit ist auch schon etwas, und das Erfinden solcher Dekorationsmotive mac…

Der Heilige Sebastian von Anton Sturm in Wolfegg

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Von den Pfeilen, die ihn trafen, nicht beeindruckt zeigt sich dieser Heilige Sebastian von Anton Sturm (1690-1757) in der Pfarrkirche von Wolfegg im Landkreis Ravensburg. Die Erste-Hilfe-Bemühungen des Engels nimmt er mit mild-verhaltenem Lächeln entgegen als wollte er sagen: Sehr freundlich von Ihnen, aber machen Sie sich keine Umstände, denn wie Sie sehen, bin ich vollkommen im inneren und äußeren Gleichgewicht.