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Es werden Posts vom September, 2018 angezeigt.

Grenzwertig

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Über Holzbildhauerei lässt sich, wie über Geschmack, streiten oder auch nicht. Wo genau verläuft zum Beispiel die Grenze zwischen ihr und dem Möbel-Design? Hätte ich das Ding an oder auf einem der noch immer nicht aus der Mode gekommenen Skulpturenwege stehen sehen, wäre ich darüber kaum erstaunt gewesen. Doch es stand bzw. steht ebenso beiläufig-unauffällig wie selbstverständlich am Rand eines Fuß- und Radwegs zwischen Karlsruhe und Durlach.

Zeichnung und Holzbildhauerei

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Wenn Holzbildhauer zeichnen, dann tun sie das nicht selten im Hinblick auf eine noch zu schaffende Holzskulptur. Neben den räumlichen Verhältnisse wird auch der Gesamtcharakter der Plastik im Charakter der Zeichnung antizipiert. Auf einer Website las ich (wohl aus diesem Grund), Zeichnung impliziere Transzendenz. Da ich in der rezenten Holzbildhauerei das malerische und illusionistische Moment für gewöhnlich vermisse, da ich mir sozusagen mehr geschnitzten Impressionismus wünsche (das Genre ist insgesamt sehr statisch und alternativlos bodenständig: "hier stehe ich, ich kann nicht anders"), wünsche ich mir auch die dazugehörigen auf das Resultat vorausdeutenden impressionistischen Bildhauerzeichnungen.
In der Karlsruher Kunsthalle wurde heute eine Ausstellung mit Zeichnungen aus dem eigenen Bestand eröffnet. Darunter diese Skizze des französischen Malers Édouard Vuillard (1868-1940):

Sculpit: Simeon Decker

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Sculpo - ich schnitze. Aber nicht nur ich schnitze, sondern auch er, sie und vielleicht sogar es. Unter dem Stichwort sculpit ("er/sie/es schnitzt") werde ich in diesem Blog zeitgenössische Schnitzer und Schnitzerinnen vorstellen, die mir im richtigen Leben oder im Internet oder sonstwo begegnet sind. Ob es einem gefällt oder nicht, unser Dasein ist keine wirklich geordnete Angelegenheit. Man lebt nicht in alphabetischer Reihenfolge, sondern, neben anderen Prinzipien, immer auch nach dem Prinzip Zufall. So unsystematisch wie sie mir begegnet sind, werde ich meine skulptierenden Zufallsbekanntschaften hier vorstellen.
Den Anfang mache ich mit Simeon Decker, einem derzeit in Berlin lebenden Holzbildhauer mit sächsischen Wurzeln. Wie man seiner erfrischend unbekümmert drauflos gestalteten Homepage (futuristische Schrift vor rustikalem Hintergrund) entnehmen kann, wurde er 1986 in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge geboren. Seine Lehr- und Wanderjahre führten ihn in die Rhön, nach…

Badisches Landesmuseum 1

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Das nächste Mal bringe ich einen Zollstock und eine Standleiter mit, nahm ich mir vor, als ich gestern das Karlsruher Schloss, in dem die Mittelalter-Abteilungen des Badischen Landesmuseums untergebracht sind, wieder verließ. Es war ein strahlend schöner Tag und strahlend schön waren auch viele der vielen geschnitzten Madonnen mit ihren properen Jesuskindlein gewesen, auf die ich mein Augenmerk fürs erste gerichtet hatte.
Eine Statue von Tilman Riemenschneider hatte ich erwartet und einen in Holz gehauenen Tod (beide waren mir auf der Museums-Website angekündigt worden), vielleicht auch noch den ein oder anderen Barock- oder Rokoko-Engel. Und nun diese Fülle, diese Schönheit und Pracht! Mir war sofort klar, dass dies nur ein erster Besuch sein konnte, einer von vielen, die noch folgen würden. Um diese Besuchsserie von Anfang an in halbwegs systematische Bahnen zu lenken, beschloss ich, mich auf die Marien mit Kind zu konzentrieren und alles andere links und rechts liegen bzw. stehen …

Die Wiederentdeckung der Holzbildhauerei

Wer als Holzbildhauer trotz abgelegter Meisterprüfung im Holzbildhauerhandwerk lieber Künstler sein beziehungsweise heißen will, begeht zweifellos und ohne triftigen Grund Verrat an seinem Metier. In Topologie der Kunst (2003) schreibt Boris Groys, man werde Künstler, indem man über ein beliebiges Artefakt sage, es sei Kunst und damit basta. Indem man auf diese Weise selektiert, ist man im Nu zum Künstler geworden und hat zugleich Kunst geschaffen. Um Holzbildhauermeister zu werden, muss man dagegen etwas mehr Zeit aufwenden. Die Lehre dauert zwei bis drei Jahre und wer sich zur Meisterprüfung anmeldet, muss noch einmal drei Jahre Berufspraxis nachweisen. Im Nu geht da gar nichts.
Als ich vor ein paar Jahren vom Künstler-sein-Wollen genug hatte, erinnerte ich mich daran, dass ich mich seit dem Ablegen der Holzbildhauer-Meisterprüfung (1994) "Holzbildhauermeister" nennen durfte und ich fing an, mich an das Führen des Meistertitels erneut zu gewöhnen. Damit begann das, was ic…