Badisches Landesmuseum 1

Das nächste Mal bringe ich einen Zollstock und eine Standleiter mit, nahm ich mir vor, als ich gestern das Karlsruher Schloss, in dem die Mittelalter-Abteilungen des Badischen Landesmuseums untergebracht sind, wieder verließ. Es war ein strahlend schöner Tag und strahlend schön waren auch viele der vielen geschnitzten Madonnen mit ihren properen Jesuskindlein gewesen, auf die ich mein Augenmerk fürs erste gerichtet hatte.

Eine Statue von Tilman Riemenschneider hatte ich erwartet und einen in Holz gehauenen Tod (beide waren mir auf der Museums-Website angekündigt worden), vielleicht auch noch den ein oder anderen Barock- oder Rokoko-Engel. Und nun diese Fülle, diese Schönheit und Pracht! Mir war sofort klar, dass dies nur ein erster Besuch sein konnte, einer von vielen, die noch folgen würden. Um diese Besuchsserie von Anfang an in halbwegs systematische Bahnen zu lenken, beschloss ich, mich auf die Marien mit Kind zu konzentrieren und alles andere links und rechts liegen bzw. stehen oder hängen zu lassen. Damit würde ich für die nächste Stunde genug zu tun haben - meine Kondition in Sachen Kunst-Rezeption ließ immer schon zu wünschen übrig. Eigentlich ist mir ein Exponat pro Museumsbesuch schon beinahe zu viel.

Bei einer Maria, Anna (meistens selbdritt) oder Barbara würde ich mich beim ersten Rendezvous am liebsten ausschließlich der Betrachtung ihrer Füße widmen, um mich dann im Lauf der nachfolgenden Treffen ganz allmählich durch die Schluchten der komplizierten Gewandfalten hindurch nach oben zu arbeiten. Ganz zuletzt würde ich ihr dann ins Antlitz schauen und hoffen, dass sie nicht genauso cool durch mich hindurchsieht wie die Madonnen und Gottestöchter, denen ich gelegentlich auf der Straße begegne.

Badisches Landesmuseum im Karlsruher Schloss


Ulm, 1420-1425

eventuell Prag, Parler-Kreis, 1380-1390

vermutlich Ulm, Ende 15. Jahrhundert, Linde

Österreich (Schnitzer evtl. aus Ulm), 1490-1500, Linde



vielleicht Colmarer Werkstatt, 1490

Brixen, Ende 15. Jahrhundert, Zirbelkiefer

Einen Zollstock dabei zu haben, wäre im übrigen deshalb nicht schlecht gewesen, weil die für die Präsentation Verantwortlichen bei den Exponaten auf  Maßangaben verzichtet haben, wahrscheinlich, weil man ja sieht, wie groß die Skulpturen sind. Auf den Fotos, die ich erlaubterweise ("nur nicht mit Blitz") gemacht und hier veröffentlicht habe, sieht man es aber nicht mehr oder kaum noch. Und eine Leiter bräuchte man deshalb, weil man die Riemenschneider-Madonna eigentlich nicht nur aus der Kleinkindperspektive von schräg unten sehen möchte:

Tilman Riemenschneider zugeschrieben, Würzburg, 1510-1520, Linde

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