Ein Schnitzer in Oberschwaben: Konrad Hegenauer (1734-1807)

Konrad Hegenauer (1734-1807):
Johannes in einer Kreuzigungsgruppe,
um 1770, Linde, 31 x 17 x 8,5 cm
Foto: H. Zwietasch
"Konrad Hegenauer wurde 1734 in Pfullendorf als jüngster Sohn des Bildhauers Felizian Hegenauer geboren. Bereits 1749 arbeitete 'der kleine Bruder Conrad' bei der Ausstattung des Rittersaales von Schloß Wolfegg als Gehilfe in der Familienwerkstatt mit. 1756 heiratete er in Friesenhofen (bei Leutkirch) die Witwe des Bildhauers Thomas Hofer und übernahm dessen Werkstatt. Seine Auftraggeber waren - neben zahlreichen Pfarrkirchen in der nahen und weiteren Umgebung - vor allem die Fürsten von Waldburg-Wolfegg und Waldburg-Zeil und die Fürstabtei Kempten."

(Text und Bild aus: Kunst aus/für/in Oberschwaben. Kunstankäufe der Jahre 1990-1998 durch die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke OEW. Im Auftrag der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke herausgegeben von Volker Himmelreich und Ulrike Gauss zur Ausstellung im Schloß Achberg 22. August - 18. Oktober 1998)

In seinem Aufsatz (siehe unten) zum zweihundertsten Todesjahr des Künstlers 2007 nennt Manfred Thierer ihn einen "der meist beschäftigten Bildhauer Oberschwabens in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts". Wie komme ich auf Konrad Hegenauer? Das Stichwort dazu ist Oberschwaben. Am 4. Oktober 1999 fuhr ich dorthin, genauer gesagt: nach Sigmaringen, um im Landratsamt eine Rede anlässlich der Eröffnung einer Wander-Gruppenausstellung des Bezirksverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler Karlsruhe zu halten (näheres dazu hier). Als kleines Dankeschön der Sigmaringer Veranstalter wurde mir anschließend der oben genannte Kunstband überreicht. Ich warf einen flüchtigen Blick hinein und stellte das Präsent zuhause ins Regal. 19 Jahre und 4 Umzüge später schlug ich das immer noch wie neue Buch mehr oder weniger zufällig auf und fand mich wieder in einer Welt der schönen Bilder und nicht minder schönen Bildschnitzereien. Hegenauer war darin der erste in einer Reihe von rund 15 Holzschnitzern, die als Vertreter ihrer Zunft zu finden sind, und er wird hier im Blog sicher nicht der letzte sein, der diesem geschenkten Trojanischen Gaul mit einiger Verspätung (aber nicht zu spät, um die abhanden gekommene Schönheit doch noch zurückzuerobern) entstiegen sein wird.

Obwohl oder gerade weil es ein wenig paradox klingt, könnte man sagen: Bei den Hegenauers hatte sich offenbar ein Schnitzer-Gen ins Erbgut eingefressen, "denn auch Vater Felizian und die Brüder Wilhelm, Michael und Josef waren Bildhauer, die lange Zeit gemeinsam eine Werkstatt führten", wie Thierer schreibt. "Die Heimat der Hegenauer liegt aber nicht im Schwäbischen, sondern im Inngebiet um Braunau und Burghausen. Wie viele andere Künstler zogen sie ins schwäbische Alpenvorland, wo in der baufreudigen Barockzeit, reichlich Aufträge lockten." Wer Arbeiten der Hegenauers (vor allem von Konrad) in relativ großer Zahl an einem Ort versammelt sehen möchte, fährt vielleicht am besten nach Leutkirch und besucht dort das Museum im Barock. Im Weißen Saal sind 13 Arbeiten von Hegenauer-Händen versammelt, jedenfalls war das so 2007, als im 2. Heft des 18. Jahrgangs der Zeitschrift Im Oberland - Kultur, Geschichte, Natur - Beiträge aus Oberschwaben und dem Allgäu auf S. 59-64 Manfred Thierers Aufsatz erschien.

P. S.: Als Erster hat sich der Tübinger Kunsthistoriker Klaus Schwager in den 1950er und 60er Jahren ausführlich mit der Schnitzerfamilie Hegenauer befasst: Klaus Schwager: Bildhauerwerkstätten des achtzehnten Jahrhunderts im schwäbischen Voralpengebiet, Teil II: Die Werkstätten von Felizian, Johann Wilhelm, Johann Michael und Konrad Hegenauer, Tübingen 1963 - DNB

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