Montag, 31. Dezember 2018

Eine Marienkrönung aus der Werkstatt von Peter Breuer

Werkstatt Peter Breuer, Zwickau: Marienkrönung, 1520

Peter Breuer wurde um 1472 in Zwickau geboren und kehrte am Ende des Jahrhunderts, nachdem er in Würzburg bei Tilmann Riemenschneider als Geselle gearbeitet hatte und auch kurz in Ulm gewesen war, dorthin zurück. Als sein Hauptwerk gilt die Beweinung Christi in der Zwickauer Marienkirche. In der Deutschen Biographie schreibt Walter Hentschel: "In all diesen Werken ist der Einfluß Riemenschneiders deutlich, aber zu eigenem, selbständigem Stil verarbeitet; vor allem in der Zwickauer Beweinung stellt sich B. ebenbürtig neben seinen Lehrer." Ab 1504 betrieb Breuer in Zwickau eine eigene Werkstatt. Mit der Reformation endete Breuers bildschnitzerische Tätigkeit abrupt, so dass nach 1521 (Breuer starb am 12.9.1541) nur noch ein kleines Kruzifix für das Zwickauer Rathaus entstand.

Donnerstag, 27. Dezember 2018

Zwischen den Jahren: Ohren mit etwas dazwischen

Als vorläufig einziger Autor der Beiträge dieses Blogs erlaube ich mir ab und zu, das ein oder andere Stück aus der eigenen Werkstatt zu präsentieren. Heute ist es wieder soweit.

Mehr dazu hier

Montag, 24. Dezember 2018

Seltsame Begegnung der dritten Art

Foto: Ramessos (Wikimedia)

Foto aus Manteuffel 1969

Der Überlinger Hochaltar in St. Nikolaus (1613-1616) von Jörg Zürn und anderen Mitgliedern der Bildhauerfamilie ist sozusagen um eine Weihnachtskrippe herumgebaut. Wenn in dem "Hirten mit Hund" die Überlinger Zeitgenossen damals einen der Bildhauer Zürn wiedererkannt hätten, würde mich das nicht wundern. Die Art wie er mit gezogenem Hut grüßend (und zugleich mit prüfendem Blick) am Kind in der Krippe vorbeischreitet mag man als Gestus der Freiheit und kontextuellen Unabhängigkeit vom Geschehen im Stall deuten: eine seltsame Begegnung der dritten Art, ein Fremder aus der Zeit der Nachgeborenen und noch dazu einer der Schöpfer der Szene, in der dieser selbst als Teil des Ganzen in Erscheinung tritt. Auch ein Sinnbild der überzeitlichen Ewigkeit des Wunders von Bethlehem.

Freitag, 21. Dezember 2018

Die Verkündigungsgruppe im Überlinger Hochaltar

Im Überlinger Münster spielt sich in Augenhöhe des Priester die Verkündigungsszene als Teil des zehn Meter hohen Marienaltars, geschnitzt aus Lindenholz, ab. Auch Tannenholz wurde verarbeitet. Von wem geschnitzt? Darüber lässt sich streiten. Denn Beweise für die Richtigkeit der einen oder anderen Behauptung sind nicht vorhanden. Doch gibt es offenbar Indizien, die darauf hindeuten, dass neben dem Auftragnehmer Jörg Zürn auch sein mutmaßlicher Vater Hans Zürn (d. Ä., in einer Urkunde bezeichnet als "Meister der freien Kunst des Bildhauens in Stein und Holz") und drei seiner fünf Brüder, nämlich Martin, Michael und David, beteiligt gewesen sind. Und natürlich etwelche Schreiner, denn ohne deren Unterstützung geht bis heute in der Holzbildhauerei nur wenig.

Was ich Indizien genannt habe, wurde in den 1960er Jahren in vorbildlicher Akribie zusammengetragen von Claus Zoege von Manteuffel. Ziel und Zweck war von Mateuffels Habilitation an der Technischen Universität Berlin (damals noch "Westberlin" oder "Berlin-West"). Nachdem von Manteuffel die Brüder Hans d. J. und Hans Jacob aufgrund ihrer damaligen Lebensumstände für die Mitarbeit am Altar ausgeschlossen hat, kommt er zu dem Ergebnis: "So bleiben übrig Martin, Michael und David Zürn. Alle drei waren ledig, also leicht verfügbar." Und: "Es darf vorweggenommen werden, daß die beiden ersteren die begabtesten der Brüder neben Jörg Zürn waren, so daß es naheliegt, daß Jörg und Hans d. Ä. [also der Vater der sechs Brüder, L. R.] wenn jemanden, dann gerade sie als Gesellen bei diesem wichtigen Werk beschäftigten." Der Rest ist Stilkritik: "Welche Anteile diese drei und der Vater eventuell am Hochaltar zu Überlingen haben, kann nur die Stilkritik ermitteln." (Manteuffel 1969, Bd. 1, S. 25)

Die Verkündigung an Maria im Überlinger Marien-Hochaltar der Bildhauerfamilie Zürn,
Foto (Ausschnitt): Ramessos (Wikimedia)
Claus Zoege von Manteuffels Buch über "Die Bildhauerfamilie Zürn" enthält Einzelaufnahmen der offenbar aus dem
Altar herausgenommenen Figuren. Hier die Jörg Zürn zugeschriebene Verkündigungsgruppe
(Manteuffel 1969Bd. 2, Abb. 2, 3).


Mittwoch, 19. Dezember 2018

Eine ziemlich spezielle Weihnachtskrippe

In der Überlinger St.-Nikolaus-Kirche ist, wenn man so will, das ganze Jahr über Weihnachten. Denn die zentrale Szene des in ihr befindlichen Hochaltars vom Beginn des 17. Jahrhunderts zeigt die Heilige Familie im Stall von Bethlehem in Gesellschaft eines Ochsen und mehrerer Engel und Hirten mit und ohne Dudelsack bzw. Hirtenhund. Wer auf der Abbildung unten den Josef vermisst: er hält sich (hinter Maria stehend), wie es die ihm zugedachte Rolle verlangt, dezent im Hintergrund.

Als der Altar-Auftrag am 5.9.1613 an den Bildhauermeister Jörg Zürn vergeben wurde, setzte man für die Fertigstellung eine Frist von nur zweieinhalb Jahren fest. Und tatsächlich wurde das Altar-Gebäude mit seinen 23 lebensgroßen oder beinahe lebensgroßen und den mehr als 50 kleinen Figuren nebst Engelsköpfen und üppiger Ornamentik im Sommer 1616 errichtet und am Nikolaustag geweiht.

In seinem zweibändigen Werk über Die Bildhauerfamilie Zürn macht Claus Zoege von Manteuffel den Überlinger Krippen-Altar zum Ausgangspunkt seiner detaillierten Untersuchung: "Die Beschäftigung mit der Bildhauerfamilie Zürn muß vom Überlinger Hochaltar ausgehen. Er ist ihr erstes Hauptwerk. Seine Entstehung ist urkundlich belegt, und er ist die äußerlich umfangreichste und künstlerisch bedeutendste Arbeit der Zürn." (Manteuffel 1969, Bd. 1, S. 17)


Hochaltar in St. Nikolaus, Überlingen, Foto: Ramessos (Wikimedia)

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