Dienstag, 15. Januar 2019

Ein Kopf von Hans Zürn d. J. im Konstanzer Rosengartenmuseum


Hans Zürn d. J.: Johannes der Täufer oder Christus, Linde, Rosengartenmuseum Konstanz, Foto: L. R.

Hans Zürn d. J. war vermutlich der zweite Sohn von Hans Zürn d. Ä., geboren 1585 in Waldsee, gestorben nach 1625, wahrscheinlich in Buchhorn (heute Friedrichshafen), wo er 1613 das Bürgerrecht erhalten hat. 1622 lieferte er einen Rosenkranzaltar nach Wangen im Allgäu. Hundert Jahre nach Luthers Bibelübersetzung, die, einem weitverbreiteten Vorurteil zufolge, zu einer Vereinheitlichung des Schriftdeutschen geführt haben soll, liest sich das im "Säckelmeisterbuch" der Stadt Wangen so:
Gemain Außgeben, Auf mittwoch den 21. Septembris 1622 haben wir mitt maißter hans buildschnitzer vnd sinen beiden sinen unßer Lieben frouwen Roßenkranz Altar Abgerechnet ynen Erstlich das Dinckwerk bezaltt yst einst der Altar an gedingtt worden yn Alem Auß zuo machen per 320 fl. hatt sich aber gar ubelbeklaget Er hab den Altar stattlicher gemacht dan Er yme Angedingt worden sey. Auch den großin Drängen gafeln das Er damitt nitt besten künde unßeren heren bewegtt da man yme noch uber das Dinckwerck geben 134 fl. Jidem sun zuo aum Drinkgelt 8 fl macht baiden 16 fl macht der Uberschus von Drinkgeltt 150 fl macht dem Büldhower yn Allem 470 fl. mer. (Zitiert nach Manteuffel 1969, Bd. 1, S. 237)
Über den Stil des jüngeren Hans Zürn schreibt Claus Zoege von Manteuffel (Manteuffel 1969, Bd. 1, S. 105): "Die Rosenkranz-Reliefs in Wangen von 1622 sind durch frische Lebendigkeit, durch unbefangene Erzählfreude, durch originelle Charakterisierung der Figuren, besonders der Köpfe, und durch flotte, eher weiche als kraftvolle Darstellungsweise im Aufbau und in den Details charakterisiert. Es fällt auf, daß weder das gotisierende, noch das expressiv-manieristische, noch das streng bauende Element des Zürn'schen Stils in den Vordergrund tritt. Die Gesichtstypen sind weder melancholisch noch unnahbar, sondern - was wir sonst bei den Zürns eigentlich nirgends finden - liebenswürdig und verbindlich." Letzteres lässt sich, wie ich finde, auch in Bezug auf das oben abgebildete Figuren-Fragment sagen. Wohingegen ich ersteres am liebsten umgehend vor Ort in Wangen überprüfen würde.

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